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Literatur · Lena Christ · 1916

Die Rumplhanni — der bayerischste Roman des 20. Jahrhunderts.

1916 schrieb Lena Christ — die Glonner Schriftstellerin — die Geschichte einer Bauernmagd, die mit allen Mitteln Bäuerin werden will. Eine Heldin, die nicht sympathisch sein muss, um zu gewinnen. Hier ist alles, was du über „Die Rumplhanni” wissen solltest, bevor du sie liest.

Lesezeit · 6 MinutenErschienen 1916Verfilmt 1981 (BR)
Die Rumplhanni — der

Wer „Die Rumplhanni” zum ersten Mal liest, denkt nach drei Seiten: das geht nicht gut aus. Nach zehn Seiten: das könnte trotzdem ein Hauptgewinn werden. Nach hundert Seiten: das ist der bayerischste Roman, der je geschrieben wurde.

1916 in München bei Albert Langen verlegt, von Lena Christ — der Glonner Schriftstellerin (1881 – 1920) — geschrieben, ist „Die Rumplhanni” das Spätwerk einer Autorin, die in nur acht Jahren zu einer der wichtigsten bayerischen Stimmen ihrer Zeit wurde.

Titelseite des Manuskripts Die Rumplhanni von Lena Christ
Titelseite des Manuskripts „Die Rumplhanni” von Lena Christ · gemeinfrei (Wikimedia Commons)

Wer ist die Rumplhanni?

Johanna Rumpl, genannt die Rumplhanni. Bauernmagd auf einem Hof in Öd, irgendwo in Oberbayern. Sie ist nicht jung, sie ist nicht hübsch im klassischen Sinne — aber sie ist klug, gerissen, ehrgeizig und unglaublich entschlossen. Hanni hat einen Plan: sie will Hauserbäuerin werden.

Was bei Lena Christ nie funktioniert: die Heldin ist sympathisch. Hanni ist nicht. Sie lügt, sie manipuliert, sie täuscht eine Schwangerschaft vor, sie versucht ihren Schwiegervater in spe zu betrügen. Und gerade deshalb funktioniert die Figur — weil Lena Christ ihr nicht den ehrlichen Weg gönnt, sondern sie als das beschreibt, was sie ist: eine Frau, der die Gesellschaft keine andere Option lässt, als rücksichtslos zu sein.

Die Handlung in fünf Stationen

ÖD Hauserbauern Magd-Stellung Ehe-Plan reift Mit Simmerl ÖD Verrat aufgedeckt Hauserbauer durch‑ schaut Plan, wirft Hanni vom Hof MÜNCHEN Gefängnis 3 × 24 Stunden Widerstand gegen die Staatsgewalt MARTLBRÄU Stellung & Suche Wirtssohn Ferdl Liebe in andere, fällt im Krieg MARTLBRÄU Wirtin am Ziel Heirat mit Hans, Übernahme des Wirtshauses

1 · Magd am Hauserbauernhof

Hanni arbeitet als Dirn (Magd) am Hauserbauernhof zu Öd. Sie macht sich gezielt an Simmerl heran — den Sohn des Bauern. Sie weiß: das ist ihr Ticket. Bevor er in den 1. Weltkrieg zieht, ringt sie ihm ein Heiratsversprechen ab — durch eine vorgetäuschte Schwangerschaft.

2 · Vom Hof gejagt

Vom Ehrgeiz übermannt, versucht Hanni, dem Hauserbauern (Simmerls Vater) ein schriftliches Manifest abzuringen — einen Vertrag, der ihre Stellung als künftige Schwiegertochter und Erbin festschreiben soll. Der Bauer durchschaut sie in letzter Minute. „I Rindviech” — Hannis lakonische Selbstbeurteilung — und der Hof wirft sie raus.

3 · München, Gefängnis

Hanni flieht in die große Stadt. Erstes Ergebnis: 3 × 24 Stunden Haft wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Eine in keiner Weise tragische, aber bezeichnende Episode — Hanni ist jemand, die sich nichts gefallen lässt, auch nicht von der Polizei.

4 · Im Martlbräu

Sie findet Stellung im Münchner Martlbräu (einer fiktiven Wirtschaft, aber realistisch nach Münchner Gasthof‑Vorbildern). Hanni macht dem Wirtssohn Ferdl schöne Augen — bis sie heimlich entdeckt, dass er in eine andere Frau verliebt ist. Erst danach gibt sie dem Metzgerssohn Hans, der ebenfalls im Martlbräu arbeitet, eine Chance.

5 · Wirtin am Ziel

Ferdl fällt im 1. Weltkrieg. Die Wirtin (seine Mutter) übergibt das Martlbräu Hanni und Hans. Hanni ist Wirtin und „koa Deanstbot mehr”. Ende.

Was den Roman bemerkenswert macht

Lena Christ schreibt nicht das Märchen „Magd wird durch Liebe zur Bäuerin”. Sie schreibt das viel zähere und realistische „Magd kommt durch Berechnung, Pech und Hartnäckigkeit zur Wirtin”. Hanni gewinnt nicht weil sie liebt — sie gewinnt weil sie nicht aufgibt.

Hanni ist eine der ersten weiblichen Hauptfiguren der bayerischen Literatur, die ohne moralisches Lehrstück durchkommt. Sie ist gerissen, sie ist nicht hübsch, sie ist nicht jung — und sie kriegt am Ende, was sie wollte. — eigene Lesart

Christ legt den Finger auf etwas, das damals revolutionär war: was haben Frauen ohne eigenes Vermögen für Optionen? Ehrlich arbeiten und alt verarmt sterben, oder sich mit allen Mitteln in eine Bäuerin‑/Wirtin‑Position verheiraten. Hanni wählt zweiteres und scheitert nicht moralisch — sie gewinnt.

Die Sprache

„Die Rumplhanni” ist konsequent im bayerischen Idiom geschrieben. Hannis Stimme ist roh, deftig, bittersüß. Wer Bayrisch nur aus dem Wirtshaus kennt, lernt hier neue Wörter und Wendungen. Wer schon dialektkundig ist, findet Lena Christs Notation einer der genauesten Transkriptionen oberbayerischen Sprachgebrauchs ihrer Zeit.

Beispiel: „I Rindviech” — Hannis Selbstbeschimpfung nach dem fehlgeschlagenen Manifest‑Versuch. Auf Hochdeutsch wäre das „Ich Idiot” oder „Was bin ich für eine Närrin”. Im Bairischen liegt da auch noch eine bittere Distanzierung vom eigenen Tun mit, die im Hochdeutschen verloren ginge.

Die Verfilmung

1981 wurde „Die Rumplhanni” vom Bayerischen Rundfunk verfilmt — Regie Rainer Wolffhardt, Hauptrolle Monika Baumgartner. Die Verfilmung ist heute eine Rarität, gelegentlich im Bayerischen Fernsehen zu sehen oder über das BR‑Archiv erhältlich.

Wer die Geschichte zuerst lesen will, statt zu schauen — der Roman ist heute bei dtv (München, 1988, ISBN 3‑423‑10904‑1) und beim Allitera Verlag wieder erhältlich.

Wer das Buch lesen sollte

Vor dem Glonn‑Besuch lesen?

Wenn ihr ohnehin nach Glonn fahrt: lest „Die Rumplhanni” zwei, drei Wochen vorher. Dann seht ihr Glonn anders — als Geburtsort einer Frau, die mit 38 Jahren ein Werk hinterlassen hat, das auch über 100 Jahre später noch berührt.

Im Heimatmuseum Glonn (Klosterweg 7) wird Lena Christ ein Schwerpunkt gewidmet — Manuskripte, Fotos, biographische Dokumente. Eine Stunde Aufenthalt, lohnt sich vor oder nach dem Mittagessen im Marktblick.

In Kürze

Die Rumplhanni

Roman von Lena Christ, 1916 in München erschienen. Bauernmagd Hanni täuscht Schwangerschaft vor, fliegt vom Hof, schafft den Aufstieg in München zur Wirtin im Martlbräu. Eine der bayerischsten Frauenfiguren der Literatur — heute noch bei dtv und Allitera erhältlich. 1981 verfilmt mit Monika Baumgartner.

Häufige Fragen

Was Leser oft fragen.

Die meistgestellten Fragen zum Thema — basierend auf Google‑PAA und unserer Erfahrung.

Worum geht es in „Die Rumplhanni”?

Eine Bauernmagd namens Hanni Rumpl will mit allen Mitteln Bäuerin werden — sie täuscht eine Schwangerschaft vor, wird vom Hof geworfen, flüchtet nach München, arbeitet im Wirtshaus und übernimmt am Ende das Wirtshaus durch Heirat. Ein realistischer Roman über die Optionen einer Frau ohne eigenes Vermögen im Bayern um 1916.

Wer hat „Die Rumplhanni” geschrieben?

Lena Christ (1881–1920), die in Glonn geborene bayerische Schriftstellerin. Der Roman ist 1916 in München bei Albert Langen erschienen — eines der Spätwerke der Autorin.

Wie endet die Rumplhanni?

Hanni heiratet Hans, den Metzgerssohn. Der Wirtssohn Ferdl, in den sie eigentlich verliebt war, fällt im 1. Weltkrieg. Die Wirtin übergibt das Martlbräu an Hanni und Hans — Hanni ist Wirtin geworden und „koa Deanstbot mehr”. Sie hat ihr Ziel erreicht.

Gibt es eine Verfilmung von „Die Rumplhanni”?

Ja. 1981 wurde der Roman vom Bayerischen Rundfunk verfilmt — Regie Rainer Wolffhardt, mit Monika Baumgartner in der Hauptrolle. Heute eine Rarität, gelegentlich im BR Fernsehen oder über das BR‑Archiv.

Wo kann ich „Die Rumplhanni” heute lesen?

Im dtv‑Verlag (München, 1988, ISBN 3‑423‑10904‑1) und beim Allitera Verlag wieder im Druck. Auch in den meisten gut sortierten Stadtbibliotheken erhältlich.

Ist die Rumplhanni eine sympathische Heldin?

Bewusst nicht. Lena Christ verzichtet auf die moralische Heldenfigur und schreibt Hanni als gerissen, ehrgeizig, bereit zu lügen und zu manipulieren. Genau das macht den Roman bemerkenswert: er gibt einer Frau, der die Gesellschaft keine andere Option lässt, das Recht, rücksichtslos zu sein — ohne sie am Ende dafür zu bestrafen.

Ist das Buch im bayerischen Dialekt geschrieben?

Größtenteils ja. Die Dialoge und Hannis innerer Monolog sind im oberbayerischen Idiom geschrieben — Lena Christs Notation gilt als eine der genauesten Transkriptionen des damaligen Sprachgebrauchs. Wer kein Bairisch kann, braucht 50 Seiten Eingewöhnung — danach geht es flüssig.

Was hat „Die Rumplhanni” mit Glonn zu tun?

Lena Christ ist in Glonn geboren (1881). Auch wenn der Roman in einem fiktiven Dorf „Öd” und in München spielt, sind die bayerischen Bauernhof‑Schauplätze klar an den Glonner Höfen ihrer Kindheit modelliert. Im Heimatmuseum Glonn (Klosterweg 7) gibt es einen Lena‑Christ‑Schwerpunkt.