Glonn liegt zwischen München, Rosenheim und dem Chiemgau — und obwohl es ein kleiner Markt ist (knapp 5.300 Einwohner, Höhe 536 m, Markterhebung 1901), bietet die Umgebung mehr Substanz als viele größere Nachbarorte. Wer einen Vor‑ oder Nachmittag investieren will, findet drei klare Empfehlungen direkt vor der Haustür.
1. Hermannsdorfer Landwerkstätten
Vom Wurst‑Industriellen zum Bio‑Pionier
Die Herrmannsdorfer Landwerkstätten sind ein ökologischer Gutsbetrieb mit Hofladen, eigener Bio‑Metzgerei, Bäckerei mit Holzofen, Käserei, Brauerei und Schokoladen‑Manufaktur. Karl Ludwig Schweisfurth — einst einer der größten Wurst‑Industriellen Deutschlands — kaufte den Hof 1986 und stellte ihn radikal auf artgerechte Bio‑Landwirtschaft um. Heute leben hier rund um die 80 Mitarbeiter und 60 Hektar Tiere und Felder unter den höchsten Bio‑Standards.
Was du dort machen kannst: Hofladen, Schweinsbräu‑Restaurant (auch als „Steirer Eck" bekannt), Hofführungen samstags. Mehr Details, Zeitplanung und Tipps in unserem ausführlichen Hermannsdorfer‑Beitrag.
2. Schloss Zinneberg & Klostersee
Friedrich von Thiersch'sche Architektur am See
Schloss Zinneberg liegt rund 2 km nordöstlich von Glonn auf 614 m — der höchste Punkt der Region. Heute eine Jugendhilfeeinrichtung, baulich aber ein bemerkenswertes Ensemble: der Umbau Anfang des 20. Jahrhunderts wurde von Friedrich von Thiersch verantwortet (Münchner Justizpalast, Festsaalbau der Münchner Residenz). Das ehemalige Schloss wird heute auch als Kloster geführt.
Highlight für Besucher: der Klosterladen mit eigenen Brotwaren, Kuchen und Gemüse aus klösterlichem Anbau. Daneben ein kleines Klostercafé mit Außen‑Sitzplätzen — Frühstück und kleine Mittagsgerichte. Direkt darunter liegt der Klostersee: ein stiller Teich, gesäumt von Wald, perfekt für eine kleine Schleife oder ein Picknick.
Das Schloss ist Teil der Top‑Wanderroute „Westerndorf · Glonn · Kloster Zinneberg" — wer zu Fuß unterwegs ist, kombiniert Schloss, See und Hermannsdorf zu einer 8‑km‑Halbtagestour.
3. Heimatmuseum Glonn
Geschichte des Marktes — und einer Schriftstellerin
Das Heimatmuseum Glonn, betrieben vom Kulturverein Markt Glonn, sammelt die Geschichte des Ortes — von den jungsteinzeitlichen Siedlungsfunden über die erste urkundliche Erwähnung 821 bis zur Markterhebung 1901. Ein Schwerpunkt: das Leben und Werk der in Glonn geborenen Schriftstellerin Lena Christ (1881–1920), deren Romane „Erinnerungen einer Überflüssigen" und „Mathias Bichler" auch heute noch zur klassischen bayerischen Literatur zählen.
Klein, aber lohnend — vor allem an einem regnerischen Nachmittag. Wer Glonn nicht nur als hübsche Kulisse, sondern als Ort mit Substanz verstehen will, fängt hier an.
Weiter raus: drei zusätzliche Schwerpunkte
Wer mehr Zeit hat — oder Glonn ein zweites Mal besucht — sollte die folgenden drei Anlaufpunkte nicht verpassen. Alle haben eigene ausführliche Beiträge in unserem Magazin:
Wildbräu Grafing
Die älteste Privatbrauerei der Welt, gegründet 1060 — 8 km nordöstlich von Glonn. Aus den Sudkesseln dieser Brauerei kommt das Bier, das im Marktblick gezapft wird. 11 klassische Sorten + 3 Saisonbiere, Brauereiführungen auf Anfrage.
Burg Elkofen
Eine der best‑erhaltenen mittelalterlichen Höhenburgen Bayerns — 11 km von Glonn, in einem Tal hinter Grafing. 33 m Bergfried, Burgkapelle St. Georg von 1516, seit 1664 in Familienbesitz Rechberg. Privatbesitz, von außen einsehbar.
Ebersberger Forst
9.000 Hektar zusammenhängender Wald, einer der größten Deutschlands ohne unterbrechende Siedlung. 350 Hügelgräber aus der Hallstattzeit, Aussichtsturm 1914, Hubertuskapelle mit Geisterlegende, Wildgehege Hohenlindener Sauschütt.
Pfarrkirche St. Johannes der Täufer
Die Hauptkirche im Ortskern (Prof.‑Lebsche‑Str. 11), aus dem 17.–18. Jahrhundert. Hier wurde 1881 die Schriftstellerin Lena Christ getauft.
Wildpark Poing
Familienfreundlicher Wildpark — ca. 25 km nordwestlich, heimische Tierarten, Naturlehrpfade, Adlerflüge. Ganzjährig geöffnet, Eintritt erforderlich.
Klosterruine Ebersberg
Ruinen des ehemaligen Benediktinerklosters Ebersberg — 15 km von Glonn, südlich des Forsts. Frei zugänglich, schöne Atmosphäre vor allem in der Dämmerung.
Drei Tagespläne — vom Halbtag bis zum Wochenende
Damit die Anreise nach Glonn lohnt: hier drei vorgeschlagene Routen, je nach Zeitbudget. Alle starten und enden im Marktblick am Marktplatz.
Halbtag · 4 Stunden · klassisch
- 9:00 Frühstück Marktblick
- 10:30 Wanderung Westerndorf → Hermannsdorfer (Hofladen, kleine Brotzeit) → Schloss Zinneberg → Klostersee → zurück
- 13:00 Mittagskaffee Marktblick
Ganzer Tag · 8 Stunden · vielfältig
- 9:00 Frühstück Marktblick (Buffet Do – Sa)
- 10:30 Heimatmuseum Glonn (45 Min, Lena‑Christ‑Schwerpunkt)
- 11:30 Auto nach Hermannsdorf, Hofladen + Hofführung (auf Anfrage)
- 13:00 Mittagessen im Schweinsbräu Hermannsdorf
- 15:00 Auto nach Grafing — Wildbräu‑Brauerei + Marktplatz besichtigen
- 17:00 Rückfahrt Glonn, Wein im Marktblick
Zwei Tage · Hotel‑Wochenende · komplett
- Samstag: Heimatmuseum + Hermannsdorfer + Schweinsbräu (Mittag) + Schloss Zinneberg + Klostersee + Marktblick (Abendessen)
- Sonntag: Frühstücksbuffet Marktblick + Wanderung Ebersberger Forst (Aussichtsturm + Hubertuskapelle, ~3 Std) + Burg Elkofen ansehen + Mittagseinkehr Marktblick
Übernachtung: Hotels in Glonn selbst sind begrenzt; Anreise via München (S‑Bahn S6 → Bus 444) macht auch ein Tagesticket sinnvoll.
Praktisches
- Anfahrt nach Glonn: aus München mit dem Auto über die A 94 bis Forstinning, dann B 304 (ca. 50 Min). Kostenlose Parkplätze direkt am Marktplatz.
- Mit dem ÖPNV: S6 bis Grafing Bahnhof, dann Bus 444 nach Glonn (Haltestelle Marktplatz). Ca. 60 Min ab München Hbf.
- Beste Zeit: April – Oktober für Hermannsdorfer und Schloss Zinneberg, ganzjährig für Heimatmuseum.
- Einkehr: am Marktplatz im Steinbergers Marktblick (bayerisch‑mediterran, Holzofen, Speisekarte) oder bei Hermannsdorfer in der Schweinsbräu‑Stube.
In Kürze
Drei Ausflugsziele, alle innerhalb 2 km vom Glonner Marktplatz: Hermannsdorfer Landwerkstätten (Bio‑Hofladen + Restaurant), Schloss Zinneberg mit Klostersee & Klostercafé, und das Heimatmuseum am Klosterweg. Lassen sich gut in einem halben Tag kombinieren — mit Einkehr im Marktblick als Abschluss.
Was Gäste oft fragen.
Häufige Fragen zu Glonn als Ausflugsort — basierend auf den Top‑PAA‑Boxen bei Google.
Wie viele Einwohner hat Glonn?
Glonn hatte zuletzt rund 5.329 Einwohner (Stand 2023). Der Markt liegt auf 536 m Höhe im Landkreis Ebersberg, Oberbayern.
Was bedeutet der Name Glonn?
Der Ortsname leitet sich vom Glonn‑Bach ab, der durch den Markt fließt. Der Bach selbst ist ein linker Zufluss der Mangfall — der Ortsname stammt also aus der Hydronymie und ist seit der ersten urkundlichen Erwähnung 821 belegt.
Wo fließt die Glonn?
Die Glonn (im Landkreis Ebersberg) entspringt nördlich von Glonn und fließt durch den Ort südwärts, bis sie nach rund 30 km in die Mangfall mündet. Nicht zu verwechseln mit einer zweiten Glonn nördlich von München (Zufluss der Amper).
Welche Ortsteile umfasst Glonn?
Zur Marktgemeinde Glonn gehören neben dem Hauptort u.a. Adling, Herrmannsdorf, Mattenhofen, Reisenthal, Schwaigeralm und mehrere kleinere Weiler. Insgesamt erstreckt sich das Gemeindegebiet über mehrere Quadratkilometer im südöstlichen Landkreis Ebersberg.
Was kann man in Glonn machen?
Die drei Anlaufpunkte sind: Hermannsdorfer Landwerkstätten (Bio‑Hofladen, Schweinsbräu‑Restaurant), Schloss Zinneberg mit Klostersee (Klosterladen, Klostercafé) und das Heimatmuseum Glonn (Lena Christ, Ortsgeschichte). Dazu drei verifizierte Wandertouren — alle Details in den verlinkten Artikeln.
Wer war Lena Christ?
Lena Christ (1881–1920) war eine Schriftstellerin, die in Glonn geboren wurde. Ihr Roman „Erinnerungen einer Überflüssigen” (1912) und „Mathias Bichler” gehören zur klassischen bayerischen Literatur. Mehr Hintergrund im eigenen Beitrag zu Lena Christ & Glonn. Das Heimatmuseum Glonn widmet ihr einen Schwerpunkt.
Wie kommt man nach Glonn?
Mit dem Auto aus München: A 94 bis Ausfahrt Forstinning, dann B 304 (ca. 50 Min). Mit dem ÖPNV: S‑Bahn S6 bis Grafing Bahnhof, dann Bus 444 nach Glonn. Eine direkte Bahnverbindung existiert seit 1971 nicht mehr.
