Marktblick · Rund um Glonn · Burg Elkofen
Höhenburg · 11. Jh. · Familie Rechberg

Burg Elkofen — eine Höhenburg, die 1.000 Jahre überlebt hat.

Drei Kilometer hinter Grafing, in einem Tal mit dichtem Waldgürtel, steht eine der best‑erhaltenen mittelalterlichen Höhenburgen Bayerns. Errichtet im 11. Jahrhundert, verschont vom Dreißigjährigen Krieg, seit 1664 in derselben Familie. 33 m Bergfried, Marienaltar im Bayerischen Nationalmuseum, Anbau von Gabriel von Seidl. Hier kommt jedes Detail.

Lesezeit · 9 Minuten Errichtet 1000 – 1100 11 km von Glonn Höhenburg · Privatbesitz
Burg Elkofen heute — Höhenburg in Grafing

Wer in Glonn am Marktplatz das Frühstücksbuffet hinter sich hat und Lust auf einen Halbtagsausflug verspürt, fährt 11 km nordöstlich nach Unterelkofen. Dort, auf einem leicht abgeböschten Hügel mitten im Wald, steht Burg Elkofen — eine der seltensten Burganlagen Bayerns. Nicht weil sie spektakulär wäre, sondern weil sie noch da ist. Und das nach 1.000 Jahren bewegter Geschichte, in einer Region, in der die meisten mittelalterlichen Bauten längst vom Krieg, der Säkularisation oder der Industrialisierung dahingerafft wurden.

Erst Bergfried, dann Burg, dann Schloss

Der Anfang der Burg ist ungewöhnlich: zunächst stand hier vermutlich schon im 10. Jahrhundert ein Bergfried — also der hohe Wohn‑ und Wachtturm, der heute noch das Wahrzeichen der Anlage ist. Das war damals eine Seltenheit: meist baute man erst die Burg, dann den Turm. Hier war der Turm zuerst da, die Burg kam später drumherum.

Im 11. Jahrhundert errichteten die Grafen von Sempt‑Ebersberg die eigentliche Burganlage rund um den Bergfried. Die Grafen von Sempt‑Ebersberg waren eine der mächtigsten oberbayerischen Adelsfamilien des Hochmittelalters — sie kontrollierten das gesamte Land zwischen Inn und Isar. 1040 erwähnt eine Schenkungsurkunde an das Kloster Ebersberg den Ort als „Ellencophan" — so wurde aus Ellencophan später Elkhofen, Ölkhofen und schließlich Elkofen.

Die Architektur: 33 Meter Bergfried, 2,25 Meter Mauerstärke

Wer Burg Elkofen architektonisch verstehen will, muss zuerst beim Bergfried anfangen — er ist nicht nur das Wahrzeichen, sondern auch der älteste und am besten erhaltene Bauteil:

33 m
Bergfried Höhe
6
Stockwerke
2,25 m
Mauerstärke
18 m
Hocheingang

Der Bergfried ist massiv, sechsgeschossig, rechteckig im Grundriss, gekrönt von einem Krüppelwalmdach. Im Erdgeschoss hat die Mauer eine Stärke von 2,25 Metern — gebaut, um Belagerung und Beschuss zu überstehen. Der Eingang liegt nicht unten, sondern in 18 Metern Höhe: ein klassischer Hocheingang, der nur über eine ausziehbare Holztreppe oder Leiter zu erreichen war. Das war die Verteidigungs‑Logik der Höhenburg: wer den Turm einnehmen wollte, musste sich erst über eine Holztreppe in Pfeil‑Reichweite hocharbeiten.

Die wichtigsten Bauteile: ein Burg‑Vokabelheft

Die ganze Burganlage zeigt das volle Vokabular der mittelalterlichen Burgenkunde — hier eine kurze Begriffsklärung mit Verortung:

Bergfried 33 m 6 Geschosse Palas 3 Geschosse · spätgotisch Wehrgang & Ringmauer Burgkapelle St. Georg 1516 · barockisiert 1720 Vorburg mit Torbau (Segmentbogen) ⑥ Ehemaliger Wassergraben (bis 1800), heute Park
  1. ① Bergfried — der hohe Wohnturm, klassisch ein Wahrzeichen jeder Höhenburg. Letzter Rückzugsort bei Belagerung.
  2. ② Palas — das Wohngebäude des Burgherrn. Dreigeschossig in Elkofen, mit spätgotischen Bauformen.
  3. ③ Wehrgang — überdachter Verteidigungs‑Gang entlang der Ringmauer. In Elkofen gotisch gemauert, an der Südseite vorgelagert.
  4. ④ Burgkapelle St. Georg — die hauseigene Andachtskapelle. Erbaut 1516, 1720 barockisiert.
  5. ⑤ Vorburg — der äußere, weniger geschützte Teil der Anlage. Zugang durch einen gewölbten Torbau mit Segmentbogen.
  6. ⑥ Wassergraben — ringförmig um die Burg, bis ca. 1800. Danach in einen Park umgestaltet.

Die Burg, die durch Glück überlebte

1632 zog im Dreißigjährigen Krieg das schwedische Heer durch die Region. Die Schweden brannten das nahegelegene Grafing ab — eine Stadt, deren Wiederaufbau Jahrzehnte dauerte. Burg Elkofen jedoch blieb verschont. Wie?

Die Burg Elkofen sei durch ihre geschützte Lage in einem Tal, umgeben von einem dichten Waldgürtel, von den Schweden nicht entdeckt worden und darum von der Zerstörung verschont geblieben. — überlieferte Legende

Schöne Geschichte. Der Burgenforscher Michael Weithmann sieht das nüchterner: er stuft die Versteck‑Theorie als Legende ein und führt den Erhalt der mittelalterlichen Anlage auf die Bemühungen der langjährigen Besitzerfamilie Rechberg zurück. Wer regelmäßig sein Dach erneuert und seine Mauern flickt, hat eine Burg, die übersteht. Wer das nicht tut, hat eine Ruine.

Beide Versionen stimmen wahrscheinlich: die geschützte Lage half, die Familie Rechberg machte den Rest.

Die Familie Rechberg: 360 Jahre an einem Ort

Die Burg wechselte zwischen 1382 und 1664 mehrfach den Besitzer — Wittelsbacher, Bayern‑Landshut, der Rentmeister Wolf Lenkhofer, die Familie Kutscher. Seit 1664 aber gehört Elkofen den Grafen von Rechberg‑Rothenlöwen — eine schwäbisch‑bayerische Hochadelsfamilie, deren Stammburg eigentlich auf der Schwäbischen Alb steht.

Die Rechberg waren keine bloßen Eigentümer — sie haben aktiv an der Burg gebaut. Zwischen 1665 und 1676 errichteten sie den sogenannten Rechbergbau, einen prägenden Erweiterungsbau aus dem Frühbarock. Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Burg zudem zum Jagdschloss umfunktioniert — daher rührt der zweite Name „Schloss Elkofen".

Allerdings war die Rechberg‑Linie nicht immer ungebrochen: 1734 verlegte eine Enkelin, die die Burg geerbt hatte, ihren Wohnsitz nach Amberg. Es folgten verschiedene Besitzer — darunter Franz Johann Graf von Spreti und der Naturwissenschaftler Joseph Ritter von Hazzi (1768 – 1845, Münchner Bergbau‑Pionier und Statistiker). Um 1800 wurde der Wassergraben aufgegeben und in einen englischen Landschaftspark umgewandelt.

Ende der 1860er Jahre kam die Burg in den Besitz des Münchner Unternehmers Heinrich Höck — und unter dessen Verwaltung ging ein großer Teil der Original‑Ausstattung durch Verkäufe und Versteigerungen verloren. Eine bittere Phase in der Burgengeschichte.

Gabriel von Seidl: der Münchner Star‑Architekt baut auf Elkofen

1871 kaufte Ernst Graf von Rechberg‑Rothenlöwen die Burg zurück. Damit begann die zweite Rechberg‑Phase, die bis heute dauert.

1885 beauftragte Ernst von Rechberg den Münchner Star‑Architekten Gabriel von Seidl (1848 – 1913) mit einem Erweiterungsbau. Seidl war einer der prägenden Architekten des deutschen Späthistorismus — auf seiner Werkliste stehen das Deutsche Museum, das Lenbachhaus, das Künstlerhaus am Lenbachplatz, dazu mehrere Münchner Villen und Schlösser im ganzen Voralpenraum.

Auf Burg Elkofen schuf Seidl im ehemaligen Hundezwinger den Ludwig‑Heinrichsbau — eine späthistoristische Ergänzung zur mittelalterlichen Anlage, die sich respektvoll der bestehenden Architektur unterordnet, aber gleichzeitig eigenständige Akzente setzt. Heute zählt der Bau zu den weniger bekannten Werken Seidls, ist aber ein klassisches Beispiel seiner Maxime „Architektur muss zum Ort passen".

Die Burgkapelle St. Georg und der Marienaltar im Nationalmuseum

Burg Elkofen um 1700 — Kupferstich von Michael Wening
Burg Elkofen um 1700 — Kupferstich von Michael Wening · gemeinfrei (Wikimedia Commons)

Eines der historisch wertvollsten Elemente der Anlage ist die Burgkapelle St. Georg, die dem Heiligen Georg geweiht ist (Schutzpatron der Ritter und passenderweise auch der Drachenkämpfer). Sie wurde 1516 erbaut und 1720 barockisiert.

Der ursprüngliche Flügelaltar der Kapelle — ein Marienaltar von 1517 – 1520, geschaffen vom Meister von Rabenden und seiner Werkstatt — befindet sich heute jedoch nicht mehr auf der Burg, sondern im Bayerischen Nationalmuseum in München. Der Meister von Rabenden gilt als einer der bedeutendsten oberbayerischen Bildschnitzer der Spätgotik. Dass ein Stück seiner Werkstatt aus Elkofen heute in einem der wichtigsten kunsthistorischen Museen Deutschlands hängt, ist ein Beleg für die Qualität, die hier einmal gefertigt wurde.

Wer den Marienaltar sehen will: Bayerisches Nationalmuseum, Prinzregentenstr. 3, 80538 München — Eintritt frei am Sonntag.

1.000 Jahre Eigentumsgeschichte

~ 1000 Bergfried als Wohnturm Grafen von Sempt-Ebersberg 1040 Erste Erwähnung „Ellencophan" Schenkung ans Kloster Ebersberg 1382 – 1447 Wittelsbacher / Bayern-Landshut 1516 Burgkapelle St. Georg erbaut Marienaltar 1517 – 20 1632 Schweden brennen Grafing nieder Burg überlebt — versteckt im Tal 1664 Familie Rechberg übernimmt Bau Rechbergbau 1665 – 76 1885 Gabriel von Seidl baut Ludwig-Heinrichsbau heute Max Emanuel Graf von Rechberg

Heute: Privatbesitz und gelegentliche Tagungen

Burg Elkofen ist heute Eigentum von Max Emanuel Graf von Rechberg. Die Anlage wird teils als Wohnsitz, teils als Tagungs‑ und Veranstaltungsort genutzt — Konzerte, Hochzeiten und kleine Events finden hier gelegentlich statt, allerdings nur über die Familie bzw. die jeweiligen Veranstalter buchbar.

Die Burg ist nicht regulär öffentlich zugänglich. Allerdings gibt es einige Möglichkeiten, sie zu sehen oder zu erleben:

Denkmalschutz

Die Anlage steht unter doppeltem Denkmalschutz:

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege beschreibt die Anlage offiziell als „Höhenburganlage, sogenanntes Schloss Elkofen, begonnen im 11. Jahrhundert, bestehend aus oberem Burghof mit Bergfried, Palas, Kemenate, Dürnitzstock und Wehrgang, meist spätgotisch, 14. bis 16. Jahrhundert, teilweise Neubau durch Gabriel von Seidl 1885, Vorburg mit Schlosskapelle St. Georg von 1516, Toreinfahrten und Nebengebäuden meist des 17. Jahrhunderts."

Anfahrt von Glonn: 18 Minuten Auto

Drei Schlösser an einem Tag

Wer einen Schloss‑Tag plant, kann Burg Elkofen mit zwei weiteren Anlagen rund um Glonn kombinieren:

An einem schönen Sommer‑Tag mit dem Auto gut machbar — mit Mittagseinkehr im Marktblick als Anker am Marktplatz Glonn. Drei Anlagen aus drei Epochen: spätmittelalterlich (Elkofen), barock‑umgebaut (Zinneberg), benediktinisch‑ruinös (Ebersberg).

In Kürze

Burg Elkofen

Höhenburg in Grafing‑Unterelkofen, errichtet ab 1000, durch den Dreißigjährigen Krieg gerettet, seit 1664 in Familienbesitz der Rechberg. 33 m Bergfried, Burgkapelle St. Georg von 1516 (Marienaltar im Bayerischen Nationalmuseum), 1885 Erweiterung durch Gabriel von Seidl. Privatbesitz, von außen einsehbar — perfekt mit einer Wanderung durch den Wald zu kombinieren. 11 km von Glonn.

Häufige Fragen

Was Burg‑Interessierte oft fragen.

Über Geschichte, Architektur und Besichtigung — die meistgestellten Fragen zu Burg Elkofen.

Kann man Burg Elkofen besichtigen?

Burg Elkofen ist Privatbesitz der Familie Rechberg und nicht regulär öffentlich zugänglich. Der Schlosspark ist von Wanderwegen einsehbar. Gelegentlich finden Konzerte, Hochzeiten oder Gottesdienste in der Burgkapelle statt — Termine über die jeweiligen Veranstalter. Wer Tagungen oder Hochzeiten plant, kann direkt anfragen.

Wie alt ist Burg Elkofen?

Der zentrale Bergfried wurde wahrscheinlich schon im 10. Jahrhundert als Wohnturm errichtet. Die Hauptburg wurde im 11. Jahrhundert von den Grafen von Sempt‑Ebersberg gebaut. 1040 wird der Ort erstmals urkundlich als „Ellencophan" erwähnt — eine Schenkung an das Kloster Ebersberg.

Wie hoch ist der Bergfried?

Der Bergfried ist 33 Meter hoch, sechsgeschossig, rechteckig im Grundriss, gekrönt von einem Krüppelwalmdach. Die Mauerstärke im Erdgeschoss beträgt 2,25 Meter. Der Eingang liegt nicht unten, sondern in 18 Metern Höhe — ein klassischer Hocheingang, der nur über Holztreppe oder Leiter erreichbar war.

Wem gehört die Burg heute?

Max Emanuel Graf von Rechberg. Die Familie Rechberg‑Rothenlöwen besitzt die Burg seit 1664 (mit kurzen Unterbrechungen) — also über 360 Jahre. Eine seltene Familienkontinuität an einem Ort, selbst für bayerische Verhältnisse.

Wurde Burg Elkofen je zerstört?

Nein. Die Burg blieb durch den Dreißigjährigen Krieg verschont — laut Legende, weil sie versteckt im Wald lag und die Schweden sie 1632 (als sie Grafing niederbrannten) nicht entdeckten. Historiker Michael Weithmann führt den Erhalt jedoch hauptsächlich auf die Pflege durch die Familie Rechberg zurück. Beide Versionen stimmen wahrscheinlich.

Wer war Gabriel von Seidl?

Gabriel von Seidl (1848 – 1913) war einer der bedeutendsten Münchner Architekten des Späthistorismus — er entwarf das Deutsche Museum, das Lenbachhaus, das Künstlerhaus am Lenbachplatz und mehrere Münchner Villen. 1885 baute er auf Burg Elkofen den Ludwig‑Heinrichsbau im ehemaligen Hundezwinger — ein klassisches Beispiel seiner Maxime „Architektur muss zum Ort passen".

Was ist der Marienaltar von Elkofen?

Ein Flügelaltar von 1517 – 1520, geschaffen vom Meister von Rabenden und seiner Werkstatt — einem der bedeutendsten oberbayerischen Bildschnitzer der Spätgotik. Der Altar stand ursprünglich in der Burgkapelle St. Georg, befindet sich heute aber im Bayerischen Nationalmuseum in München (Prinzregentenstr. 3). Sonntags Eintritt frei.

Wann wurde die Burgkapelle gebaut?

Die Burgkapelle St. Georg wurde 1516 erbaut und 1720 barockisiert — also im Spätbarock erweitert. Sie ist eine der wenigen erhaltenen Burgkapellen Bayerns aus dieser Zeit. Geweiht dem Heiligen Georg (Schutzpatron der Ritter, Drachenkämpfer).

Wie weit ist Burg Elkofen von Glonn?

Rund 11 km nordöstlich vom Glonner Marktplatz, im Grafinger Ortsteil Unterelkofen. Mit dem Auto 18 Minuten, mit dem Rad 50 Minuten, mit dem ÖPNV via S6 nach Grafing‑Bahnhof + 40 Minuten Wanderung durch den Wald.

Gibt es einen Unterschied zwischen „Burg" und „Schloss" Elkofen?

Beide Bezeichnungen sind im Umlauf. Korrekt nach Bauform ist „Burg Elkofen" — eine mittelalterliche Höhenburg mit Bergfried, Wehrgang, Schießscharten. „Schloss Elkofen" wird umgangssprachlich verwendet, besonders nach den Umbauten zum Jagdschloss Ende des 17. Jahrhunderts. Wikipedia führt den Artikel unter „Burg Elkofen", die Familie Rechberg verwendet auch „Schloss Elkofen".

Wer war Joseph Ritter von Hazzi?

Joseph Ritter von Hazzi (1768 – 1845) war ein bayerischer Naturwissenschaftler, Statistiker und Bergbau‑Pionier — Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er war einer der Zwischen‑Eigentümer von Burg Elkofen zwischen 1734 und 1871 (als die Rechberg sie zurückkauften). Hazzi war auch wesentlich an der Vermessung Bayerns nach 1800 beteiligt.

Hat die Burg einen Wassergraben?

Bis 1800: ja. Die Burg war ringförmig von einem Wassergraben umgeben — einem klassischen Verteidigungselement der mittelalterlichen Burgenkunde. Um 1800 wurde der Wassergraben aufgegeben und in einen englischen Landschaftspark umgewandelt. Heute ist davon nur noch eine sanfte Geländeform erkennbar.