Zwei Kilometer nordöstlich vom Glonner Marktplatz, auf einer schmalen Bergnase, steht ein Schloss, das man heute kaum noch sieht. Schloss Zinneberg ist hinter dichtem Baumbewuchs verborgen — ein Bau, der seit Jahrhunderten die Geschichte Glonns prägt und den Schwestern vom Guten Hirten heute als Jugendhilfeeinrichtung dient.
Die geographische Lage
Zinneberg liegt am östlichen Ortsrand von Glonn, auf der „vorspringenden Nase” des gleichnamigen Zinnebergs — eines kleinen Hügels, der dem Schloss seinen Namen gab (oder umgekehrt). Höhe: 614 m. Das ist der höchste Punkt im näheren Umkreis von Glonn — und auch der höchste Punkt einer der schönsten lokalen Wandertouren.
Vom Adelssitz zum Kloster
Der berühmte Michael Wening — der königliche Topograph, der zwischen 1701 und 1726 die wichtigsten bayerischen Schlösser in Kupferstichen festhielt — hat auch Zinneberg porträtiert. Der Stich zeigt eine repräsentative, fast festungsartige Anlage mit Türmen, Innenhof und Park.
Die Geschichte des Schlosses geht bis ins späte Mittelalter zurück (untertägige spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde sind im Bayernatlas als Bodendenkmal D‑1‑8037‑0120 verzeichnet). Über die Jahrhunderte wechselten die Besitzer mehrfach.
Lena Christ und Schloss Zinneberg
Eine der schönsten Verbindungen Glonns: Lena Christ — die bayerische Schriftstellerin (1881 – 1920) — wurde geboren, als ihre Mutter Magdalena Pichler hier auf Zinneberg als Köchin arbeitete. Eine Vermutung von Glonner Ortschronisten ist sogar, dass Lena Christs biologischer Vater aus dem Schloss‑Umfeld stammte — Albert von Scanzoni oder Rittmeister Ewald Hornig.
Es scheint nicht weiter erstaunlich, dass die wahrscheinlich bedeutendste bayerische Schriftstellerin des frühen 20. Jahrhunderts in einer Köchinnen‑Stube auf einem Schloss begann. — eigene Beobachtung
Heute: Jugendhilfeeinrichtung der Schwestern vom Guten Hirten
Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts wird Schloss Zinneberg vom Orden der Schwestern vom Guten Hirten betrieben — als Jugendhilfeeinrichtung. Hier leben und arbeiten junge Menschen aus schwierigen sozialen Verhältnissen unter pädagogischer Betreuung.
Das hat zwei Konsequenzen: Erstens ist die Anlage nicht regulär öffentlich zugänglich — der Innenraum dient den Bewohnern. Zweitens haben sich aber rund um die Einrichtung mehrere öffentliche Angebote entwickelt:
Klosterladen
Direkt am Schloss gibt es einen Klosterladen — Brot vom Holzofen, frische Kuchen, Gemüse aus eigenem Anbau, Obstsäfte. Die Auswahl ist klein, aber die Qualität legendär: Wer am Samstag früh kommt, bekommt das beste Roggenbrot der Region.
Klostercafé
Ein kleines Außen‑Café mit ein paar Tischen, an denen man Kaffee und Kuchen bekommt. Auch ein einfaches Frühstück und kleine Mittagsgerichte. Geöffnet meist Frühling bis Herbst, im Winter eingeschränkt — Wetter‑abhängig.
Der Klostersee
Direkt unter dem Schloss liegt der Klostersee — ein stiller Teich, eingebettet in Mischwald. Im Sommer schimmert das Wasser bronze‑grün; im Frühling und Herbst spiegelt sich das Schloss durch die kahlen Bäume hindurch im Wasser. Eine kleine Schleife rund um den See dauert ca. 20 Minuten.
Ideal als Picknick‑Stop oder als Endpunkt einer kürzeren Glonn‑Wanderung. Im Hochsommer auch zum Füße‑Reinhalten, das Wasser ist klar.
Denkmalschutz
Die Anlage steht unter doppeltem Denkmalschutz:
- Baudenkmal · Aktennummer D‑1‑75‑121‑49 — schützt die oberirdische Bausubstanz
- Bodendenkmal · Aktennummer D‑1‑8037‑0120 — schützt die untertägigen spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Befunde
Wie kommt man hin?
Mit dem Auto: Vom Glonner Marktplatz Richtung Adling ausfahren, nach 1,5 km links Richtung Zinneberg. 4 – 5 Minuten Fahrt. Parkplätze gibt es direkt am Schloss (für Klosterladen‑Besucher).
Zu Fuß: Vom Marktplatz Glonn ca. 30 Minuten über Felder und durch ein kurzes Waldstück. Beste Option, wenn das Wetter mitspielt — die Anfahrt ist Teil des Erlebnisses.
Als Wanderung: Die Topempfehlung „Westerndorf · Glonn · Kloster Zinneberg” (8,1 km, 2 Stunden, leicht) führt direkt am Schloss und am Klostersee vorbei. GPX‑Track auf Outdooractive.
Die schönste Kombination eines Glonn‑Tages
Wir empfehlen Folgendes:
- 9:00 — Frühstück im Marktblick (Buffet Do‑Sa, à la carte täglich außer Mo)
- 10:30 — Wanderung Westerndorf‑Zinneberg über Hermannsdorfer
- 12:30 — Klosterladen + Klostercafé Zinneberg, kleine Brotzeit
- 14:30 — Klostersee‑Runde, Picknick oder Ausruhen
- 17:00 — Rückkehr zum Marktplatz, Wein im Marktblick als Abschluss
So bekommt man Glonn in einem Tag mit allem, was zählt — Bio, Natur, Geschichte, gute Küche.
Schloss Zinneberg
2 km vom Glonner Marktplatz, auf 614 m. Heute Jugendhilfeeinrichtung der Schwestern vom Guten Hirten — nicht öffentlich begehbar. Aber: Klosterladen, Klostercafé, Klostersee. Ideales Halbtages‑Ziel ab Marktblick. Doppelter Denkmalschutz.
Was Leser oft fragen.
Die meistgestellten Fragen zum Thema — basierend auf Google‑PAA und unserer Erfahrung.
Kann man Schloss Zinneberg von innen besichtigen?
Nein. Das Schloss wird vom Orden der Schwestern vom Guten Hirten als Jugendhilfeeinrichtung genutzt — kein öffentlicher Zugang zum Innenraum. Öffentlich zugänglich sind aber der Klosterladen, das Klostercafé und der Klostersee.
Wer betreibt Schloss Zinneberg?
Der katholische Orden der Schwestern vom Guten Hirten. Sie betreiben hier seit Anfang des 20. Jahrhunderts eine Einrichtung der Kinder‑ und Jugendhilfe.
Wann ist der Klosterladen geöffnet?
Der Klosterladen ist meist Dienstag bis Samstag geöffnet, mit eingeschränkten Öffnungszeiten am Wochenende und im Winter. Brot, Kuchen, Gemüse, hausgemachte Marmeladen — die Auswahl ist klein, aber die Qualität konstant gut.
Was kostet der Eintritt?
Es gibt keinen Eintrittspreis. Der Klosterladen, das Klostercafé und der Schlosspark sind kostenlos zugänglich; im Café und Laden zahlt man nur für Speisen und Waren.
Ist der Klostersee zum Schwimmen geeignet?
Der Klostersee ist als Picknick‑ und Ruhestätte gedacht, kein offizielles Strandbad. Im Hochsommer halten manche die Füße rein. Offen schwimmen ist nicht ausgeschildert verboten, aber nicht ausdrücklich vorgesehen.
Wer war Friedrich von Thiersch?
Friedrich von Thiersch (1852 – 1921) war ein bedeutender deutscher Architekt — er entwarf u.a. den Münchner Justizpalast und den Festsaalbau der Münchner Residenz. Er verantwortete den letzten großen Umbau von Schloss Zinneberg Anfang des 20. Jahrhunderts.
Wie kommt man am besten zum Schloss?
Vom Glonner Marktplatz 4 – 5 Minuten Auto oder 30 Minuten zu Fuß. Schöner als das Auto ist die Wanderung — Teil der Topempfehlungs‑Route „Westerndorf · Glonn · Kloster Zinneberg” auf Outdooractive.
Hat Lena Christ wirklich einen Bezug zum Schloss?
Ja. Ihre Mutter, Magdalena Pichler, war zum Zeitpunkt von Lena Christs Geburt 1881 Köchin auf Schloss Zinneberg. Es gibt sogar Hinweise, dass Lena Christs biologischer Vater aus dem Schloss‑Umfeld stammen könnte (Albert von Scanzoni oder Ewald Hornig).